“Burnout” auf dem Vormarsch

Nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi sind “Burnout” Syndrom und andere psychische Krankheiten in der Arbeitswelt auf dem Vormarsch. Demzufolge sind bereits 20 % der Arbeitnehmer betroffen, insbesondere Jene, die besonders im Stress und unter Druck stehen. Ganz besonders zählen dazu Leistungsträger aus der Finanzwelt – eine Entwicklung, die sich nach Ausbruch der Banken- und Finanzkrise noch verstärkt hat.

“Burnout” ist in weiten Kreisen der Arbeitswelt noch immer ein Tabuthema. Der Zustand des “Ausgebranntseins” geht mit Erschöpfung und stark verminderter Leistungsfähigkeit einher und wird deswegen Vorgesetzten gegenüber häufig verschwiegen, weil mit mangeldem  Verständnis gerechnet wird.

Als Gründe für das Burnout Syndrom werden oft Überforderung in einer zunehmend komplexen, sich immer weiter beschleunigenden Arbeitswelt gesehen. Was jedoch weniger beachtet wird: Auch Zweifel am Sinn und Wert der geleisteten Arbeit können sich stark belastend auswirken. Dazu kann auch gehören, wenn das Geschäftsfeld oder -gebaren der eigenen Unternehmung als zweifelhaft oder gar schädigend empfunden wird und in der Kritik der Öffentlichkeit steht. Dies würde die Verstärkung dieses Trends gerade bei Mitarbeitern der Bankenbranche erklären.

Kritisch zu bewerten ist in diesem Zusammenhang jedoch auch das vorherrschende gesellschaftliche Umfeld zunehmenden Leistungsdruck, das den Menschen zu permanenten Höchstleistungen antreibt. In dem Maße, wie der “Shareholder Value” in der Wirtschaft zur fast alleinigen Richtschnur für Erfolg geworden ist und – gerade in der Finanzbranche – blanke Gier und immer unrealistischere Gewinnziele das Geschehen prägten, wirkt sich dies ganz offensichtlich zunehmend belastend aus. Antriebslosigkeit und Mangel an Energie sind letztlich auch Symptome eines freud- und lieblosen Umfeldes, das nur auf Effizienz und reibungsloses Funktionieren ausgerichtet ist. Geld ist eben kein Ersatz für Glück und Lebensfreude – und schon gar nicht für Gesundheit.

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